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Worum geht's?

Fleischkonsum: Globale Folgen, private Fragen

Quelle: FAO

Weltweit wächst der Appetit auf Fleisch. Von 1970 bis 2009 hat sich die weltweite Fleischproduktion fast verdreifacht: Von knapp über 100 Mio. Tonnen auf fast 300 Mio. Tonnen pro Jahr. Jeder Deutsche isst pro Jahr im Schnitt rund 60 kg Fleisch. Gesund wäre weniger als die Hälfte. Privatsache? Gute Frage.

Für Weiden und Futtermittelanbau roden Viehhalter und Landwirte in Lateinamerika enorme Waldflächen. Die weltweite Viehwirtschaft verursacht ein Fünftel der globalen Treibhausgas-Emissionen. Weiden und Futtermittel belegen oft Flächen, die für die Ernährung der Weltbevölkerung fehlen.

Fleischkonsum in Deutschland © WWF

Fleischfreie Tage machen Flächen frei! – Teil 2 der WWF-Studie

Fleisch frisst Land - das stellte der erste Teil der WWF-Studie zum Fleischkonsum im Oktober 2011 fest. Eine Fläche von der Größe Österreichs wird benötigt, um den Hunger auf Fleisch der Deutschen zu befriedigen: 8,42 Millionen Hektar – fast die Hälfte der Fläche, die wir Deutschen für unsere Ernährung benötigen (18,8 Mio. ha.) Einen beachtlichen Anteil dieser Fläche belegen wir in Südamerika. Dort werden für den Anbau von Futtermitteln, wie Soja, Wälder gerodet und wertvolle Ökosysteme zerstört.

  • Der zweite Teil zeigt nun eine Lösung des Problems: Mit einer gesunden Ernährung ließe sich unser Flächenbedarf und damit der Druck auf artenreiche Naturräume drastisch reduzieren. 1,8 Millionen Hektar - eine Fläche so groß wie Sachsen - könnte nach Berechnungen des WWF „gewonnen“ werden, wenn die Bundesbürger, wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen, maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Person und Woche essen würden. Im Durchschnitt verzehrt jeder Deutsche jedoch fast doppelt so viel wie von den Gesundheitsexperten angeraten.

Schon ein fleischfreier Tag pro Woche wäre ein Gewinn

Doch auch schon eine kleine Veränderung unseres Ernährungsverhaltens könnte viel bewirken. Wenn alle Bundesbürger nur einen Tag pro Woche das Fleisch links liegen ließen, sänke der Flächenbedarf um 600.000 Hektar – die doppelte Fläche des Saarlands. 

Dass die Flächenreduktion nicht viel höher ausfällt, hat einen einfachen Grund: Sich „gesund ernähren“ bedeutet auch, von einem Lebensmittel weniger, von anderen Lebensmitteln mehr zu konsumieren. Dieses veränderte Essverhalten wurde in der Studie berücksichtigt. So wird beispielsweise eine um 800.000 Hektar größere Anbaufläche für die verstärkte Nachfrage nach Getreide benötigt.

Weniger Fleisch = weniger Soja = mehr Wald

Warum spielt die Zahl der von uns verzehrten Bratwürste für den brasilianischen Regenwald eine Rolle? Die Antwort heißt: Soja. Derzeit wird ungefähr ein Drittel der gesamten Landoberfläche als Weideland oder Ackerfläche zur Futtermittelproduktion genutzt. Tendenz steigend, denn es werden immer mehr Tiere gehalten. Soja hat sich zu einer der wichtigsten Futterpflanzen entwickelt. So hat sich nach WWF-Berechnungen die Soja-Anbaufläche in Argentinien seit 2000 um über 190 Prozent auf heute etwa 17 Mio. Hektar, in Brasilien um über 160 Prozent auf heute etwa 22 Mio. Hektar ausgeweitet.

"Mehr als Dreiviertel der deutschen Soja-Einfuhren stammt aus Südamerika. Dort bedroht der Anbau inzwischen einmalige Ökoregionen, wie etwa die brasilianische Savanne, den Cerrado mit seinem enormen Artenreichtum", sagt Dräger de Teran. Von den über sechs Millionen Tonnen Soja, die Deutschland jährlich importiert, werden 79 Prozent als Futtermittel eingesetzt. „Würden sich die Deutschen gesünder ernähren und sorgsamer mit Lebensmittel umgehen, wären wesentlich weniger Sojaimporte nötig - umgerechnet eine Fläche von ungefähr 700.000 Hektar“, sagt Tanja Draeger de Teran, Referentin für Ernährung beim WWF Deutschland.

Bio-Fleisch statt Massenware

Um die negativen, ökologischen Auswirkungen des Fleischkonsums zu mindern, rät der WWF nicht nur weniger, sondern auch besseres Fleisch zu essen. Empfehlenswert sind Produkte, die nach den Kriterien des EU-Biosiegels, der Bio-Anbauverbände und dem Produktionsverband Neuland hergestellt wurden. Auch "Weidefleisch" stellt eine Alternative dar. Doch nicht nur die Verbraucher sind gefordert, auch die Fleischindustrie und die EU-Agrarpolitik müssten endlich den Gedanken der Nachhaltigkeit konsequent umsetzen. Dazu gehört auch, heimische Futtermittel in der EU wieder verstärkt zu fördern, um zukünftig vermehrt Soja ersetzen zu können.

Tonnen für die Tonne

Der zweite Teil der Studie beleuchtet neben dem Fleischkonsum auch das Problem der unnötigen Nahrungsmittelabfälle. So landen pro Person und Jahr nach WWF-Angaben rund 80 Kilogramm an Nahrungsmittel unnötigerweise auf dem Müll. Bei Vermeidung dieser Verluste würden über 2,4 Mio. Hektar frei. „Derzeit ist es so, als würden wir Mecklenburg-Vorpommern in einen einzigen, riesigen Acker umwandeln und die eingefahren Ernte einfach wegwerfen“, verdeutlicht Tanja Draeger de Teran.