Fleisch & Hunger
-
Gibt es ein Menschenrecht auf Wurst?
Es gibt ein "Recht auf angemessene Ernährung"- Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt). Aber haben wir ein Recht auf Fleisch? Angesichts der Tatsache, dass durch den weltweit wachsenden Fleischkonsum Tierweiden und Futtermittelanbau große Flächen belegen, die oft für die Nahrungsmittelproduktion fehlen, ist das durchaus zweifelhaft.
Mehr zum Thema Fleisch & Hunger:
Weltweit leiden etwa 1 Milliarde Menschen an Unterernährung und Hunger. Weitverbreitete Armut ist in jedem Fall der wichtigste Grund dafür. Aber unser hoher Fleischkonsum und Unterernährung in Entwicklungsländern hängen durchaus zusammen. Olivier de Schutter, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zum Recht auf Nahrung, sieht es so: "Wenn wir den Fleischkonsum in den reichen Ländern reduzieren, ihn weltweit bis 2050 auf einen Pro-Kopf-Verbrauch auf dem Niveau von 2000 festschreiben – also auf jährliche 37,4 kg/Kopf – dann könnten ungefähr 400 Millionen Kilo Getreide für die menschliche Ernährung freigesetzt werden. Das ist genug, um 1,2 Milliarden Menschen mit ausreichend Kalorien zu versorgen."
-

Viehwirtschaft belegt riesige Flächen
Der Konsum an Fleisch ist in den letzten 20 Jahren in allen Regionen der Erde (außer Afrika) angestiegen – in den Industrieländern durch das bereits sehr hohe Niveau nur mäßig, in manchen Schwellenländern jedoch beträchtlich. China verzeichnete von 1992 bis 2002 einen Anstieg um 70 Prozent. Heute liegt der Pro-Kopf-Verbrauch dort bei 52 kg. In den Industrieländern verbrauchen die Menschen pro Kopf und Jahr etwa 80 kg Fleisch, in den Entwicklungsländern mit etwa 25 kg deutlich weniger. Eine Ausnahme ist Indien, wo trotz steigenden Wohlstands im Schnitt nur 5 kg Fleisch pro Kopf und Jahr gegessen werden.
Folglich ist auch die Produktion von Fleisch in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen. Seit 1970 kam es zu einer Verdreifachung auf fast 300 Millionen Tonnen in 2010. Im gleichen Zeitraum hat sich die Weltbevölkerung nur etwas mehr als verdoppelt. Das Problem: Die Fleischproduktion bedarf immenser Flächen: Von den weltweit ca. 5 Milliarden Hektar landwirtschaftlich genutzten Flächen werden fast 80% von der Viehwirtschaft beansprucht. Dabei stellen tierische Lebensmittel im Schnitt nur 17% der weltweiten Ernährung.
Nicht genug Fläche für hohen Fleischkonsum
Der Anbau von Futtermitteln für Tiere, die immer seltener auf Weiden grasen, ist ein wesentlicher Faktor für diesen hohen Flächenbedarf. Allein 35% des weltweit angebauten Getreides sind inzwischen für die Viehwirtschaft bestimmt. Die vorhandene Ackerfläche ist jedoch endlich und sie wird nicht ausreichen, wenn die Nachfrage nach Fleisch weiterhin wächst. Nach Berechnungen des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit würde im Jahr 2050 die komplette Ackerfläche der Welt benötigt werden, um den Bedarf an Eiweißfuttermitteln für die Tierhaltung zu decken.
Auch wenn wir nicht gleich Vegetarier werden müssen – wir kommen nicht daran vorbei, über die Höhe unseres Fleischkonsums nachzudenken. Der WWF hat errechnet, dass etwa 30 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche frei würden, wenn der Fleischkonsum in den OECD-Ländern um ein Drittel gesenkt würde – eine Fläche, die in etwa der Größe Polens entspricht und annähernd dreimal so groß ist wie die gesamte deutsche Ackerfläche.
Quellen:
- Brot für die Welt, Kampagnenblatt Fleischkonsum
- Food and Agricurlture Organization of the United Nations
- Flachowsky et al. (2008): Mehr Milch und Fleisch für die Welt… wie ist das zu schaffen? In: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Hrsg.): ForschungsReport 2/2008
- WWF 2011: How to feed the world’s growing billions. Understanding FAO World Food Projections and their implications.


