Fleisch & Konsum
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Ist Fleischkonsum Privatsache?
Gute Frage. Unser hoher Fleischkonsum fördert weltweit Entwaldung, Klimawandel und Nahrungsmittelknappheit. Weltweit wächst der Appetit auf Fleisch. Der Grund: Fleisch ist in den vergangenen 60 Jahren vom Nahrungsmittel für besondere Tage zum Alltagsprodukt geworden, das sich jeder täglich leisten kann. Die Einführung der Massentierhaltung machte Fleisch immer billiger. Welcher Fleischkonsum ist da der Richtige?
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Bei unseren Großeltern kam Fleisch oft nur einmal die Woche auf den Tisch. Heute essen 85% der Deutschen täglich oder mehrmals die Woche Fleisch. In den 50er Jahren lag der deutsche Fleischverzehr pro Kopf unter 30 kg – ungefähr die Hälfte dessen was wir heute essen: Gut 60 kg pro Person und Jahr. Das ist mehr als ein Kilo pro Woche. Dahinter steckt ein wirtschaftlicher und kultureller Wandel: Fleisch wurde durch die Massentierhaltung für immer mehr Menschen erschwinglich und in der Folge zum Alltagsprodukt. Um 1985 war in Deutschland der Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht, seitdem stagniert unser Konsum – wie in anderen Industrieländern – auf hohem Niveau.
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Weltweit setzt sich der Trend zur "Massenware Fleisch" indes fort. Der globale Konsum ist in den vergangenen 20 Jahren stark angestiegen. Der steigenden Nachfrage folgend ist die Fleischproduktion weltweit erheblich angestiegen und hat sich seit 1970 verdreifacht. Derzeit werden pro Jahr ca. 300 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Damit einher gingen erhebliche strukturelle Veränderungen in der Viehwirtschaft. Weltweit und auch in Deutschland werden kleinere Betriebe mit einer flächengebundenen Viehwirtschaft zunehmend von großen, flächenlosen Betrieben mit einer intensiven Tierhaltung abgelöst, die auf den Zukauf von Futtermitteln angewiesen sind. Fast 60 % des weltweit produzierten Schweinefleischs und über 70 % des Geflügelfleisches stammen aus der intensiven Tierhaltung. Im Durchschnitt gibt es heute größere Viehbestände in zunehmend spezialisierten Betrieben. Dieser weltweite Trend zum "Werktagsbraten" hat dramatische Folgen für unsere Wälder, unser Klima und die Ernährungssicherheit. Mehr dazu auf den anderen Infoseiten.
Welcher Fleischkonsum ist empfehlenswert?
Wie wäre es damit, ab und zu mehr Gemüse statt Fleisch zu essen und dafür besseres Fleisch zu genießen? Denn wer weniger Fleisch isst, kann sich auch die höheren Preise für Wurst und Braten aus ökologischer und artgerechter Haltung leisten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aus gesundheitlichen Gründen 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche – weniger als die Hälfte der heute durchschnittlich konsumierten Menge. Oder wie wäre es mit einem ersten Schritt: Einfach einmal die Woche ohne Fleisch? Die Devise könnte also lauten: Tu Dir und der Natur was Gutes - iss weniger und dafür besseres Fleisch.

Der WWF empfiehlt grundsätzlich Fleisch, das nach den Kriterien des EU-Biosiegels, der Bio-Anbauverbände und dem Produktionsverband Neuland hergestellt wurde sowie so genanntes "Weidefleisch", das von Tieren stammt, die ganzjährig auf der Weide standen. Was ist besser daran? Im Vergleich zur konventionellen Tierhaltung haben Bio-Tiere zum Beispiel während des gesamten Jahres ausreichend Platz für Bewegung und Ruhe, natürliches Licht, Schatten, Windschutz, frische Luft und frisches Wasser. Den Tieren wird ganzjährig ein Auslauf bzw. Weidegang ermöglicht. Schmerzhafte Eingriffe, wie das Abschneiden der Schwänze oder das Abkneifen der Zähne bei Schweinen, sind verboten. Auch darf der Lebendtransport von Nutztieren eine Dauer von vier Stunden nicht überschreiten.
Auch beim Futter gibt es große Unterschiede: In der konventionellen Viehhaltung ist Soja mittlerweile die wichtigste eiweißhaltige Futterpflanze geworden – und zumeist handelt es sich hier um gentechnisch verändertes Soja. In der ökologischen Viehhaltung sind gentechnisch veränderte Organismen im Futter strikt verboten. Das gleiche gilt für synthetische Stickstoffdünger oder synthetische Pflanzenschutzmittel.
Leider ist die ökologische Viehwirtschaft trotz Bio-Boom bis dato nur eine Nische. Ein verschwindend geringer Anteil des Fleischs wird in Deutschland nach Bio-Kriterien produziert: 5 % des Rinderbestands, 1 % der Schweine und 3 % der Masthühner. Wir Verbraucher haben es in der Hand, das zu ändern.
Weitere Infos zum Download:
WWF-Hintergrundpapier: Was ist "besseres" Fleisch?
WWF-Hintergrundpapier: Wieviel Fleisch essen wir und woher kommt es?
Vergleich von Gütesiegeln für nachhaltig produziertes Fleisch
Quellen:
- FAO (Food and Agriculture Organization) (2010): Livestock in a Changing Landscape. Rome: FAO.
- Statistisches Bundesamt Deutschland - Zahlen zum Viehbestand
- Statistisches Bundesamt Deutschland - Zahlen zum Ökolandbau
- Ökologischer Landbau 2009: BOELW Biobranche 2011


